Hongkong-Streetfood erreicht Frankfurt: Warum das Block 12 in Bockenheim gerade zum Gesprächsthema wird

Block 12

Das Block 12 in Frankfurt-Bockenheim ist das erste Lokal der Stadt, das sich ganz dem Streetfood aus Hongkong widmet. Im Mittelpunkt stehen die sogenannten Cart Noodles – eine individuell kombinierbare Nudelschüssel, die in Hongkong seit den 1950er Jahren als Kult gilt. Wer durch Bockenheim schlendert, kennt sonst vor allem Döner, Pizza und vietnamesische Küche. Seit wenigen Wochen bringt das Block 12 in der Straße Am Weingarten 12 nun bunte Leuchtschilder, alte Schallplatten und Fotos kantonesischer Filmstars in den Stadtteil.

Gastronomin Vivian Chan, die in Wetzlar geboren wurde, als Kind nach Sydney und mit elf Jahren nach Frankfurt zog, wollte genau dieses Stück Hongkong nach Frankfurt holen. Zusammen mit ihrem Bruder Ivan Yong, ihrem Mann und ihrer Geschäftspartnerin Xiaomin Han hat sie das Lokal eröffnet. Wer ein ungewöhnliches asiatisches Restaurant in Frankfurt sucht, landet damit fast automatisch in der Nachbarschaft der Leipziger Straße.

Cart Noodles: Ein Kultgericht aus den 1950er Jahren

Die Cart Noodles, auf Kantonesisch Che Zai Mian genannt, haben eine lange Geschichte. Sie entstanden in den 1950er und 1960er Jahren auf den Straßen Hongkongs, als Straßenverkäufer begannen, aus kleinen Handwagen Schüsseln mit Nudeln zu verkaufen. Die Gäste konnten dazu Toppings wählen, je nach Budget und Geschmack – ein Prinzip, das bis heute Bestand hat und in Hongkong nach wie vor beliebt ist. „Das Besondere bei uns sind die Cart Noodles“, erklärt Vivian Chan. „Diese wurden in den 1950er bis 1960er Jahren in Hongkong populär, als Straßenverkäufer anfingen, in kleinen Handwagen Schüsseln mit Nudeln zu servieren. In Frankfurt sind wir die Ersten.“

Anders als das in Frankfurt derzeit beliebte Sichuan-Gericht Malatang, das vor allem durch seine Schärfe auffällt, setzt kantonesisches Streetfood eher auf Würze statt Chili. Wer es trotzdem scharf mag, kann selbst nachhelfen – serviert wird das Gericht aber grundsätzlich milder und aromatischer, näher an der klassischen kantonesischen Brühenkultur als an der feurigen Sichuan-Küche.

Historischer Straßenverkäufer mit Handwagen für Cart Noodles in Hongkong
Bild von YK NG auf Pexels

In drei Schritten zur eigenen Nudelschüssel

Das Bestellsystem im Block 12 folgt einem Prinzip, das in Hongkong seit Jahrzehnten funktioniert und auch Neulingen schnell klar wird. An der Theke oder auf einem Zettel zum Ankreuzen treffen Gäste drei Entscheidungen: Zuerst die Nudelsorte – von dünnen Eiernudeln über Reis-Bandnudeln bis zu dicken Udon-Nudeln (8,90 bis 9,90 Euro). Danach folgt die Brühe, die von klassischer Rinderbrühe bis zu vegetarischen Varianten mit Rettich reicht. Zum Schluss kommen die Toppings, die zwischen 2 und 5 Euro kosten und über den Charakter der Schüssel entscheiden.

Wer es besonders authentisch mag, greift laut Vivian Chan zu Innereien oder Rindersehnen: „Gerade Chinesen, die zu uns kommen, lieben Dinge wie Innereien oder Rindersehnen. Es gibt eine große Hongkong-Community in Frankfurt.“ Zwei bis drei Toppings gelten als normale Portion, Nudeln lassen sich zudem kostenlos nachfüllen – ein Detail, das das Streetfood-Gefühl unterstreicht.

Damit positioniert sich das Lokal bewusst als bezahlbares Alltagsessen und nicht als Fine-Dining-Erlebnis, das erst später mit dem Konzept Mōna folgen soll.

Nudelschüssel mit Brühe und verschiedenen Toppings zum Selbstzusammenstellen
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Vegetarisch essen zwischen Tofu und Bolognese

Auch wer auf Fleisch verzichtet, findet im Block 12 mehr als eine Alibi-Option. Zu den beliebten vegetarischen Toppings zählen frittierter Tofu, Seetang und Rettich. Eine Besonderheit ist die vegetarische Bolognese mit Reis, die Vivian Chan explizit als Alternative nennt: „Oder die vegetarische Bolognese mit Reis wählen.“ Damit reagiert das Konzept auf eine Gästestruktur, die längst nicht mehr nur aus Streetfood-Puristen besteht, sondern auch aus einem Frankfurter Publikum, das zunehmend auf pflanzliche Gerichte achtet.

Warum der Name Block 12 und wie sich das Lokal anfühlt

Der Name hat einen persönlichen Bezug: „In Hongkong gibt es Wohnblöcke, wo im Erdgeschoss Geschäfte, Bistros oder Kioske sind. Und wir haben die Hausnummer 12“, erklärt Vivian Chan. Das Ziel war von Anfang an, ein Gefühl zu transportieren statt nur ein Gericht zu servieren: „Unsere Gäste sollen sich bei uns fühlen, als ob sie auf der Straße in Hongkong essen.“ Anders als in Hongkong, wo Cart-Noodle-Stände oft nur einfache Hocker bieten, sitzen die Gäste im Block 12 bewusst bequemer mit Lehne auf bunten Stühlen – ein kleines, aber bewusstes Zugeständnis an den Frankfurter Alltag.

Beworben hat sich das Lokal bislang kaum. „Wir haben noch wenig Werbung gemacht. Die meisten Gäste sind Laufkundschaft aus der Nachbarschaft, aber wir haben auch auf Red Note, dem chinesischen TikTok, schon Videos gepostet“, so Chan. In Google-Rezensionen loben viele Gäste das authentische Essen und die freundlich-familiäre Atmosphäre – ein Hinweis darauf, dass sich in Bockenheim bereits eine kleine, aber wachsende Stammgästeschaft gebildet hat, obwohl das Lokal erst seit wenigen Wochen offen ist.

Standort und Öffnungszeiten

Das Block 12 liegt Am Weingarten 12 in Frankfurt-Bockenheim, unweit der Leipziger Straße. Geöffnet ist dienstags bis freitags von 11:30 bis 21 Uhr sowie samstags und sonntags von 12 bis 21:30 Uhr. Reservierungen sind nicht möglich, das Lokal funktioniert nach dem Walk-in-Prinzip, wie es für Streetfood-Konzepte typisch ist.

Ausblick: Mōna bringt Fine Dining nach Bockenheim

Wer das Konzept der Familie weiterdenkt, muss nicht lange auf die nächste Ansage warten. Direkt neben dem Block 12 plant Vivian Chan zusammen mit Geschäftspartnerin Xiaomin Han ein zweites Lokal namens Mōna. Dort soll es chinesisches Fine Dining mit einer Showküche und Dim-Sum-Häppchen geben – ein bewusster Kontrast zum bodenständigen Streetfood-Konzept nebenan. Damit entsteht in Bockenheim auf engstem Raum eine kleine kantonesische Bandbreite: von der schnellen Nudelschüssel bis zum gehobenen Dim-Sum-Erlebnis.

Häufige Fragen zum Block 12 in Frankfurt

Wer das Konzept zum ersten Mal liest, hat meist ähnliche Fragen zu Ablauf, Preisen und Reservierung. Die wichtigsten Antworten im Überblick:

  • Muss ich im Block 12 reservieren? Nein, das Lokal arbeitet nach dem Walk-in-Prinzip ohne Reservierungsmöglichkeit.
  • Was sind Cart Noodles genau? Ein kantonesisches Streetfood-Gericht aus individuell kombinierbaren Nudeln, Brühe und Toppings, das in den 1950er/60er Jahren auf Hongkongs Straßen entstand.
  • Gibt es vegetarische Optionen? Ja, unter anderem frittierten Tofu, Seetang, Rettich und eine vegetarische Bolognese mit Reis.
  • Wie unterscheidet sich das Angebot von Malatang? Malatang setzt auf scharfe Sichuan-Brühen, kantonesisches Streetfood im Block 12 dagegen auf würzige, mildere Aromen.

Mit dieser Kombination aus klarer Bestelllogik, moderaten Preisen und einer authentischen Familiengeschichte positioniert sich das Block 12 als Lokal, das in Frankfurt bislang eine Lücke schließt. Während Malatang-Buden die Streetfood-Szene der Stadt in den vergangenen Jahren geprägt haben, bringt die kantonesische Cart-Noodle-Kultur eine neue, ruhigere Geschmacksrichtung nach Bockenheim – mit dem geplanten Fine-Dining-Ableger Mōna als nächstem Kapitel einer Familiengeschichte, die sich zwischen Hongkong, Sydney, Wetzlar und Frankfurt entspannt..